Green Lens Naturfotografie

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Georgien: Greifvogelzug am Schwarzen Meer

Nahe der kleinen Hafenstadt Batumi in den Berghängen des Dorfes Saghalvasho hatte der Batumi Raptor Count kurz BRC bei zwei georgischen Familien damals sein Lager aufgeschlagen. Seit 2008 zählt das belgische Team mit Hilfe von vielen freiwilligen Ornithologen/innen aus aller Welt den gewaltigen Greifvogelzug, der sich als schmales Band durch das Land zieht.
Die beeindrucktesten Tage sind wohl um die Monatswende August – September zu erwarten, dann wenn sich der überwiegende Teil an Wespenbussarden durch den sogenannten „Batumi-Flaschenhals“ schlängelt. Am 28.08.11 waren es alleine 89.000 und in der gesamten Saison über 460.000 Wespenbussarde, was einen neuen Weltrekord darstellt.
Aber nicht nur Wespenbussarde sind hier in Massen zu sehen, auch Wiesen- und Rohrweihen, sowie Schwarzmilane ziehen hier in großer Zahl die Küste entlang. Alleine am 27.09.11 waren es 7000 Schwarzmilane. Und wer im Oktober, den regenreichsten Monat des Jahres das Land aufsucht, wird immerhin mit zahlreichen schönen Adlerbeobachtungen belohnt. Dann erreichen Schrei- und Schelladler ihren Zughöhepunkt.
Im Herbst der Jahre 2008 und 2009 wurde eine Gesamtzahl von jeweils über 800.000 Greifvögeln erfasst, die sich auf insgesamt 34 Arten verteilen. Für die Saison 2011 kann eine ähnliche Zahl erwartet werden, die genaueren Ergebnisse werden demnächst von der BRC veröffentlicht.

Wer einmal das spektakuläre Zugereignis erleben möchte kann sich bei batumiraptorcount   für die kommende Zählsaison bewerben!

Wo großer Vogelzug stattfindet, finden sich auch meist viele Jäger und Vogelfänger ein. Traditionell versuchen einige Männer aus dem ländlichen Raum zur Zugzeit Sperber zu fangen und für die Kleinvogeljagd abzurichten, die aber danach meist wieder freigelassen werden. Zum Sperber-Fang wird an Stellen mit regelmäßigem Sperberzug ein feines, dreieckiges Netz aufgespannt und der Fänger kauert in nächster Nähe wartend auf überfliegende Sperber. Als Lockmittel schwenkt der Jäger in regelmäßigen Abständen einen Stab mit festgebunden Kleinvogel hin und her. Der mit zugenähten oder abgedeckten Augenlidern zappelnde Vogel, meist ein Neuntöter, soll die Sperber aufmerksam machen und ins Netz locken.
Erfahrene Jäger sollen mit dieser Methode an einem guten Zugtag durchaus bis zu 50 Sperber fangen. Gefangen werden sowohl Sperber als auch der häufig in Georgien durchziehende Kurzfangsperber. Jedoch werden die kleineren Kurzfangsperber nur selten zur Jagd ausgebildet und meist gleich wieder freigelassen oder als Futter für die "echten" Sperber verwendet.

Während des gesamten Vogelzuges sind in den Bergen unendlich viele Schüsse zu hören. Die Vogeljäger sind meist auf der Jagd nach Wespenbussarden, Weihen und Bienenfressern. Allerdings, anders als beispielsweise in Malta, wo die Vögel nur zum Spaß abgeknallt werden, verzehren die georgischen Familien ihre Beute. Nichts desto trotz bemüht sich aber das Team des BRC die Lage vor Ort zumindest zu verbessern. Mir einem langsam anwachsendem Ökotourismus und einer effektiveren Zusammenarbeit von Behörden und Umweltorganisationen besteht Hoffnung auf eine Lösung des Problems. Trotzdem wird es noch Jahrzehnte dauern, bis sich in der Hinsicht auch ein Umdenken in der Bevölkerung vollzogen haben wird.

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